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Der zweite Faktor ist dieser: Zahlreiche Volkswirtschaften dieser Welt – so auch unsere und die der USA – gründen auf einer stetig wachsenden Verschuldung von privaten und öffentlichen Haushalten. Die Verschuldung ist uns bewusst. Sie ist auch – in Grenzen – gewollt; denn man erhofft sich durch Kreditaufnahmen immer irgendwelche wirtschaftlichen Vorteile (wie zuvor genannt) zu erlangen. Das stetige Wachsen der Verschuldung ist dagegen zwar nicht beabsichtigt. Es findet aber dennoch statt. Wir wissen aus den Medien zur Genüge, wie die Staatsverschuldung in den letzten Jahrzehnten gewachsen ist. Und die Verschuldung vieler Unternehmen und vieler privater Haushalte hat ebenfalls stetig zugenommen. Jeder Schuldner hat auch einen Gläubiger und jede Schuld ist zugleich eine Forderung. Die Zahl der Gläubiger ist aber gegenüber der Zahl der Schuldner mikroskopisch klein. Mögen die Schulden vieler Schuldner relativ (zum Beispiel im Vergleich zur Staatsverschuldung) gering sein, die Forderungen der wenigen Gläubiger sind riesig.9 Der dritte Faktor ist der im Allgemeinen wenig bekannte Umstand, dass die Geldmengen bei uns und in anderen Volkswirtschaften rasend schnell wachsen. Die Geldmenge M3 zum Beispiel ist in Deutschland seit der Währungsreform 1948 im Schnitt um zehn Prozent jährlich gewachsen.10 Noch weniger bekannt ist, dass dieses Geldmengenwachstum durch die zuvor genannte Verschuldung, also durch Kreditaufnahmen bei einem Kreditinstitut – eo ipso – entsteht. Die wachsende Verschuldung in einer Volkswirtschaft führt unmittelbar zu Geldmengenwachstum, und das Geldmengenwachstum ist die Kehrseite der allgemein wachsenden Verschuldung. Um das verständlich zu machen, bedienen wir uns der Erklärung der Deutschen Bundesbank:11
Anmerkung zu Abbildung 10: Die Mindestreserve liegt tatsächlich nicht bei zehn Prozent, sondern bei nur 2 Prozent.12 Auch die Barauszahlung begrenzt die Geldschöpfung langfristig nicht wirklich, da das Bargeld – vor allem von den Händlern – auch wieder bei den Banken eingezahlt wird. Daher ist die Begrenzung der Geldschöpfung wesentlich schwächer als die Skizze dies andeutet. 1.2.3 Die Finanzkrise1.2.3.1 – erster AktGäbe es die genannten Faktoren 2 und 3 (Verschuldung und Geldmengenwachstum) nicht, so würden sich Geld und Vermögen zunehmend bei wenigen besonders Erfolgreichen ansammeln, so wie dies im Nilmodell skizziert ist. Das Geld häuft sich in den Diagrammen dort zunehmend rechts. Da es sich rechts anhäuft, müsste der Geldpegel links, also bei der breiten Bevölkerung, beim Staat und bei vielen öffentliche Haushalten (zum Beispiel Renten- und Krankenkassen), eigentlich sinken. Dies geschieht jedoch nicht, da diese wegen der Geldknappheit Kredite aufnehmen und dadurch – wie gesehen – die Geldmenge wachsen lassen. Das Geldmengenwachstum gleicht den Abfluss des Geldes zu den Erfolgreichen (zunächst) mehr als aus, so dass es nicht zu dem besagten Geldschwund links kommt. Vielmehr wächst der Geldbesitz auch bei der breiten Bevölkerung (und bei den öffentlichen Haushalten) geringfügig.
Im Diagramm in Abbildung 11, das an den Zeitraum von 1948 bis 2017 angeglichen ist, sind die bereits genannten zehn Prozent Geldmengenwachstum pro Jahr eingeflossen. Es findet dieselbe gleichmäßige Verschiebung des Geldstromes wie im ursprünglichen Nilmodell statt, nur, dass nunmehr sich gleichzeitig die Geldmenge aufbläht. Wie Sie sicher bemerken, sind die Spitzen der Geldberge (rechts) oben abgeschnitten. Dies entspricht der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung vom existierenden Reichtum. Er wird nicht wirklich wahrgenommen. Wenn doch, so wird dies sofort als Tabubruch geahndet und als „Neiddiskussion“ diffamiert. Wenn wir den Maßstab so korrigieren, dass auch diese Spitzen sichtbar sind, erhalten wir folgendes Bild (siehe Abbildung 12).
Dieser Blick offenbart freilich eine ganz andere Entwicklung als der in Abbildung 11. Die Geldmengenentwicklung in der breiten Bevölkerung ist kaum wahrnehmbar. Sie ist völlig rückständig im Vergleich zu der der Reichen. Die Zahlungsmittel der meisten privaten und öffentlichen Haushalte (in dem Modell bei 60 Prozent und in der Realität bei 90 Prozent) sind im Vergleich zur gesamten Geldmenge in der Volkswirtschaft erschreckend gering. 1.2.3.2 Die Finanzkrise – zweiter AktErinnern Sie sich an den oben erwähnten zweiten Faktor? Richtig, die Verschuldung, die Aufnahme von Krediten. Nun ist es nur natürlich, dass Kredite gerade dort ausgereicht werden, wo Finanzknappheit herrscht, also nicht bei den Reichen, sondern bei den ärmeren Marktteilnehmern – selbstverständlich nur soweit die als kreditwürdig angesehen werden. Das folgende Bild soll das verdeutlichen:
Wie gesagt, das Geld, das ständig neu geschaffen wird, stammt aus der breiten Bevölkerung (wozu wir uns auch viele öffentliche Haushalte – auch in den USA! – hinzudenken), wo Geldknappheit herrscht. Die unmittelbaren Kreditgeber sind zwar die Banken. Das Geld aber, dessen sie sich für die Kreditvergabe bedienen (siehe Erklärung der Bundesbank) stammt letztlich von den Reichen, den eigentlichen Gläubigern. Und gewöhnliche ökonomische Vorgänge (Faktor 1) transportieren stetig weiter Vermögen und Zahlungsmittel aus der breiten Volkswirtschaft in die Hände der Gläubiger. Man kann es nicht genug betonten: Diese Zahlungsmittel, die den Reichen zufließen, stammen aus der anhaltenden Neuverschuldung der übrigen (noch kreditwürdigen) Marktteilnehmer. Wenn in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, „die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer” (richtig müsste es heißen: „… und die Armen immer mehr“), dann ist dieser Transmissionsvorgang schon so gut wie abgeschlossen. Auch wenn das Geldmengenwachstum sich ungehindert fortsetzte, begänne irgendwann der Zustrom des Geldes zu den Reichen das Geldmengenwachstum zu übertreffen mit der Folge, dass der Geldpegel in der breiten Bevölkerung zu sinken beginnt. Aus dem Blickwinkel der Abbildungen 11 und 12 können wir das kaum erkennen. Deshalb wollen wir den Blickwinkel ein wenig verbessern:
In Abbildung 14 sehen wir, wie sich die (anteilige) Geldmenge links unten zu verringern beginnt. Dabei wurde an den ursprünglichen Parametern nichts geändert! Es sind die gleichen wie zu Beginn des Rechenmodells. Es findet dieselbe konstante Geldverschiebung mit denselben gleichbleibenden Raten statt wie in dem Nilmodell. Auch das Geldmengenwachstum liegt bei konstant zehn Prozent pro Jahr. Der Maßstab des Geldes (y-Achse) ist übrigens so gewählt, dass die Geldmengen (M3) für 1948 und 2008 in dem Diagramm mit den realen Geldmengen in Deutschland übereinstimmen.14
Beim Diagramm in Abbildung 15 ist als Maßstab des Geldes (y-Achse) die Geldmenge gewählt, die heute der durchschnittlichen Geldmenge M3 pro Haushalt in Deutschland entspricht. Sie lag im Oktober 2008 bei 55.362 Euro.14 Auch dies macht die (relative) Geldarmut in der breiten Bevölkerung überdeutlich. Denn es sind die Allerwenigsten, die an diesen Durchschnitt herankommen, vermutlich weniger als fünf Prozent der Bevölkerung. 1.2.3.3 Die Finanzkrise – dritter und letzter AktDie breite Verschuldung gerät unabwendbar an eine Grenze, an der sie zwangsweise stoppen muss. Diese Grenze ist letztlich die Kreditlinie. Denn wenn die Schulden immer weiter zunehmen, gerät jeder irgendwann an eine Grenze, an der eine Bank (oder ein anderer Gläubiger) ihn nicht weiter für kreditwürdig hält: “Denken Sie auch einmal daran zu tilgen?” oder “Bei so hohen Schulden und so vielen Zinsen bleibt Ihnen ja nichts mehr zum Leben!” Dass die Gesamtverschuldung stetig zugenommen hat, können wir leicht am Geldmengenwachstum (Faktor 3) ablesen. Also steuert solch eine Volkswirtschaft mit ihrer Verschuldung zwangsläufig auf eine “allgemeine Kreditlinie” zu. Mit “allgemeiner Kreditlinie” sei die Summe der Kreditlinien aller öffentlichen und privaten Kreditnehmer in einer Volkswirtschaft gemeint. Die Neuverschuldung und damit die Schaffung neuen, zusätzliche Geldes, fängt an zu stoppen. Während also der Zufluss von neuem Geld zu stoppen beginnt, setzt sich der Abfluss des Geldes hin zu den Gläubigern aber ungehindert fort! Die “Geldeinsammelstellen”, die in den vergangenen Jahrzehnten von den Reichen geschaffen wurden, bestehen ja weiter. Hier in Deutschland sind das insbesondere die großen Discounter Aldi und Lidl, aber auch einige andere.15 In den USA ist das nicht anders, es ist sogar noch extremer. Das Geld schwindet folglich langsam aus der breiten Volkswirtschaft. Es kommt nun immer häufiger und zahlreicher zu Zahlungsausfällen, eben auch bei den verschuldeten privaten und öffentlichen Haushalten. Domino-Effekte tun ihr Übriges. Kann einer den anderen nicht mehr bezahlen, kann dieser einen Dritten nicht mehr bezahlen. Geht ein Unternehmen Konkurs, geht ein Lieferant womöglich ebenfalls Konkurs. Die Mitarbeiter werden entlassen, und die werden selbst noch insolvent, erst recht wenn Konkurse und Unternehmensschließungen (oder -verlagerungen ins billige Ausland) zu Massenphänomen werden. Die Banken, die stets die Vermittlerrolle zwischen den Schuldnern und den Gläubigern einnehmen, müssen nun zusehends ihre Forderungen abschreiben. Die Abschreibungen übertreffen früher oder später die Erträge, sodass die Banken selbst in die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung geraten. Aus einem Domino-Effekt wird eine Lawine. 1.2.3.4 Ein Wort zur üblichen Erklärung der FinanzkriseAuch wenn heute – in der Nachschau! – oft die Meinung vertreten wird, die Hypothekenkredite in den USA seien leichtsinnig – viel zu leichtsinnig – vergeben worden (geradezu abfällig wird von einer “subprime crisis” gesprochen): Bei der Vergabe der Kredite wurde in der Regel völlig korrekt gehandelt. Vor Jahren, noch im Jahr 2000, herrschte Hochstimmung: “New economy”, “e-commerce” und so weiter. (Fast) alle glaubten an den großen Aufschwung und an wirtschaftliche Erfolge. Und wie oft haben wir schon Politiker reden hören, die Banken sollten mehr und leichter Kredite vergeben, um jungen Leuten (insbesondere Jungunternehmern) eine Chance zu geben! Ausgerechnet Kredite, die mit Realsicherheiten hinterlegt sind, sollen nun plötzlich besonders riskant gewesen sein? Nein, nicht aus der Sicht von vor ein paar Jahren und ehrlicherweise auch nicht aus der Sicht von heute. Die angeblichen Experten, die die Bankenkrise mit leichtsinniger Kreditvergabe erklären wollen, haben ein falsches Bild von unser(er/en) Volkswirtschaft(en) vor Augen. Sie halten unsere Volkswirtschaft(en) im Grunde für gesund: Sie glauben – ohne je darüber reflektiert zu haben –, dass Geld überall ausreichend vorhanden sei. Lediglich die unwürdigen Kreditnehmer, die selbstverschuldet nicht mehr zahlen könnten oder wollten, hätten die Krise verursacht. Die Geldknappheit im Groß der Volkswirtschaft, wie sie das Nilmodell skizziert und wie sie die Statistik beweist, ja das Nilmodell selbst ist diesen Experten völlig fremd. Mit einem falschen Bild von unserer Volkswirtschaft kann man die Bankenkrise gar nicht anders erklären als mit Leichtsinnigkeit der amerikanischen Banker bei der Kreditvergabe und mit Leichtsinn europäischer Banken bei der Beteiligung an solchen hypothekengesicherten Kreditforderungen. Besonders fatal ist, dass die „Experten” so tun, als habe das Ausfallrisiko, wie es sich – durch Tilgungsausfälle und nachträglich entstandene Unverwertbarkeit der Sicherheiten – verwirklicht hat, von Anfang an erkennbar bestanden. Sie verkennen, dass beide genannten Tatbestände sich erst nachträglich entwickelt haben und (fast) keiner damit rechnete. Daher tun sie jetzt so, als könne man das Problem mit strengeren Vergaberegeln in den Griff bekommen. Aber das ist alles dummes Zeug! Noch deutlicher wird dieser Unsinn, wenn man einmal überschlägt, wie viele Kredite, die jetzt alle auf einen Schlag ausgefallen sind, denn leichtsinnig vergeben worden sein müssten: Die US-Regierung glaubte im September 2008, mit 700 Milliarden US-Dollar16 das Loch dieser Finanzkrise stopfen zu können. Hierbei sind noch gar nicht die Beträge enthalten, die in den letzten Monaten von der US-Regierung beigesteuert und schon gar nicht die, die vom Ausland getragen wurden, also zum Beispiel von britischen, deutschen, schweizerischen oder spanischen Banken und Bürgern. Aber bleiben wir mal bei 700 Milliarden US-Dollar. Wie hoch mag im Schnitt der offene Kredit sich belaufen, der an solch einen unwürdigen Häuslebauer oder -käufer vergeben worden sein soll? Nehmen wir einfach mal 100.000 US-Dollar pro Kreditnehmer an. Dann kommen wir rechnerisch auf 7.000.000 (sieben Millionen!) angeblich von Anfang an faule Kredite. Das sind 7.000.000 angeblich unwürdige Kreditnehmer, 7.000.000 angeblich leichtsinnige Kreditvergaben und Hunderttausende angeblich unfähige Kreditsachbearbeiter. Wir halten das für totalen Unsinn! Den US-Bankern kann man nicht vorwerfen, sie hätten millionenfach leichtsinnig und hochriskant Kredite vergeben. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es eine derartige Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise der 1920er und 1930er Jahre nicht gab, die Kreditvergabepraxis sich also jahrzehntelang bewährt hat. Keine Frage: Die Hypothekenkredite wurden in großer Zahl auf einen Schlag notleidend. Ein solches Massenphänomen ist aber nur mit einer grundlegenden und massiven Verwerfung innerhalb einer Volkswirtschaft erklärlich, bei der die Mehrheit der Bevölkerung und damit der Marktteilnehmer in Geldnot gerät. Allein das Nilmodell vermag diese Entwicklung schlüssig zu erklären. Und was die angeblichen Experten auch nicht im Blick haben: Hätten die Banken die Kredite nicht vergeben und damit zusätzliches Geld geschaffen, dann wäre die Krise an anderen Stellen in der Volkswirtschaft zuerst ausgebrochen, zum Beispiel in der Bauwirtschaft oder Autoindustrie. Denn dann hätten viele Bauunternehmer oder Fahrzeugbauer nichts zu tun bekommen. Wir kennen das Problem hier in Deutschland bei der Bauwirtschaft seit über einem Jahrzehnt und seit Mitte 2008 auch bei den Autobauern. Die Federal Reserve (FED), die amerikanische Zentralbank, der mit die Hauptschuld an der Finanzkrise gegeben wird, konnte nach 2001 gar nicht anders, als die Zinsen zu senken, um damit das Geldmengenwachstum zu steigern und um damit eine Deflation zu verhindern. Sie kann auch heute nicht anders. 2 Die weitere Entwicklung der KriseObwohl (in den USA und in Europa) kein Gütermangel herrscht, stagniert die Konjunktur, da die Zahlungsmittel in weiten Teilen der Volkswirtschaft zu knapp geworden sind. Deflation macht sich breit, die die Zentralbank eine Zeit lang mit niedrigen und niedrigsten Zinsen bekämpfen kann und bekämpfen wird: Niedrige Zinsen bewirken eine Ausweitung der Verschuldung und zugleich entsprechendes Geldmengenwachstum. Da sich also wiederum nur die breite Verschuldung erhöht, wird der Konjunkturzusammenbruch nicht verhindert, sondern nur ein wenig in die Zukunft verschoben. Auch “Konjunkturprogramme” oder Konsumgutscheine helfen nicht weiter, weil sie die Nilbildung nicht verhindern, geschweige denn umkehren. Dies gilt erst recht für solche Steuersenkungen, die die Reichen mehr begünstigen als die übrige Bevölkerung (zuletzt in Deutschland die “Abgeltungssteuer”, die den Einkommensteuerspitzensatz auch für Großaktionäre auf 25 Prozent senkt). Das hier vorgestellte Nilmodell wurde 2002 entwickelt und verifiziert. Anhand dieses Modells ließ sich die Krise schon damals völlig klar voraussagen. Wann sie – für jedermann sichtbar – eintreffen würde und ob sie den Bankensektor oder eine andere Branche zuerst erschüttern würde, war damals freilich nicht vorherzusehen. Die amerikanische Bankenkrise jedoch ist die Vorbotin einer Weltwirtschaftskrise vom Ausmaß der Krise der 1920er und 1930er Jahre, deren Beginn auch von den Letzten spätestens 1929 erkannt wurde. Wenn Sie nun die hier anhand der Nilmodelle gezeigte Problematik mit den Antworten von Wissenschaft und Politik auf die Finanzkrise (Zinssenkungen, Konjunkturprogramme, Konsumgutscheine, Steuersenkungen) vergleichen, dann werden Sie mir sicher darin zustimmen, dass eine echte Lösung noch nicht in Angriff genommen wird. Die Nilpolitik, also eine Politik, die den Geldfluss in einer Volkswirtschaft zu einem “Nil in der Wüste” werden lässt – egal ob bewusst oder unbewusst –, geht in den westlichen Ländern unbeirrt weiter.17 Es ist zurzeit weder in den USA noch in einem westeuropäischen Land erkennbar, dass die Politik (wenn auch nur zufällig) der Nilbildung entgegenwirken oder gar den Nil wieder in ein breites Gewässersystem zurückverwandeln würde. Eine wirkliche Erholung auf breiter Front können wir nur erwarten, wenn eines Tages die Nilbildung umgekehrt wird. Ob es Barack Obama einem Franklin Delano Roosevelt gleichtun und einen neuen, echten New Deal ins Leben rufen wird, der Vermögen und Vermögenseinkünfte der (wenigen) Superreichen in den USA reduziert? Wird Deutschland einen neuen Ludwig Erhard in die Regierung bekommen, der den Willen hat, “über eine breitgeschichtete Massenkaufkraft die alte konservative soziale Struktur endgültig zu überwinden”? Wir werden sehen.18 3 Konsequenzen fürs eigene UnternehmenFür Ihr Unternehmen und für Ihre Unternehmenspolitik ergeben sich aus alledem klare Konsequenzen. Wenn Sie (beziehungsweise Ihr Unternehmen) in einem Bereich tätig sind, der sich auf Luxusgüter konzentriert, brauchen Sie sich keine ernsten Sorgen zu machen. Die Konkurrenz ist freilich hart. Aber die Finanzkrise wird Ihre Kundschaft nicht wirklich oder bestenfalls zuallerletzt treffen. Ihre Umsätze werden nicht wegbrechen. Relativ sicher sind Sie auch im Segment der Discounter. Die breite Bevölkerung und die breite Volkswirtschaft verliert im Zuge der Nilentwicklung an Kaufkraft und ist auf Ihre Produkte angewiesen. Auch hier ist die Konkurrenz hart, zumal es naturgemäß nur um geringe Margen geht. Dennoch: Ihre Kundschaft wächst weiter. Wirklich hart treffen wird die Weltwirtschaftskrise die große Zahl von Unternehmen, die zwischen Discount- und Luxusgütern angesiedelt sind. Ihnen möchten wir folgende Ratschläge ans Herz legen. Und diese Ratschläge sind nicht das Ergebnis von Verunsicherung, sondern von Klarheit und Weitsicht. 4 Ratschläge für den Umgang mit der Weltwirtschaftskrise
5 ZusammenfassungWir stehen erst am Anfang einer Weltwirtschaftskrise, die im Ausmaß mit der der 1930er Jahre vergleichbar ist. Der Blick auf den Geldfluss durch die Volkswirtschaften offenbart dies deutlich. Dazu muss man auch die Zusammenhänge und die Tücken des Geldmengenwachstums verstehen. Zum einen ist die Wirtschaft durch das ganz gewöhnliche ökonomische Handeln geprägt, das wir alle kennen. Geld und Vermögen werden von einem zum anderen übertragen. Die Motivation ist die Vermehrung des Vermögens. Dabei gilt das Prinzip: Was der eine besitzt, kann kein anderer besitzen. Geld kann nicht nur durch eigener Hände Arbeit, sondern auch durch die Nutzung von Vermögen verdient werden. Zahlreiche Volkswirtschaften gründen auf einer stetig wachsenden Verschuldung von privaten und öffentlichen Haushalten. Die Verschuldung ist uns bewusst und in Grenzen gewollt, denn man erhofft sich durch Kreditaufnahmen immer irgendwelche wirtschaftlichen Vorteile. Die Geldmengen wachsen bei uns und in anderen Volkswirtschaften rasend schnell. Dieses Geldmengenwachstum entsteht durch Verschuldung, also durch Kreditaufnahmen. Die wachsende Verschuldung in einer Volkswirtschaft führt unmittelbar zu Geldmengenwachstum. Das stetige Wachsen der Verschuldung ist indes nicht beabsichtigt. Jeder Schuldner hat auch einen Gläubiger und jede Schuld ist zugleich eine Forderung. Die Zahl der Gläubiger ist gegenüber der Zahl der Schuldner mikroskopisch klein. Das Geldmengenwachstum verschleiert der Bevölkerung von Anfang an, wie sehr im Laufe von Jahrzehnten ihre Kaufkraft und damit ihre wirtschaftliche Bedeutung im Vergleich zu den wenigen Reichen sinkt. Dies alles führt langfristig zum Austrocknen des Geldflusses bei 95% der Wirtschaftsteilnehmer und damit zum Zusammenbruch jeder auch für noch so stabil geglaubten Konjunktur und Volkswirtschaft. Literatur1 Wozniewski, Harald, Wie der Nil in der Wüste, Norderstedt 2007, S. 21 ff. 2 Otte, Max, Der Crash kommt, Berlin 2006, S. 178 3 Sie erhalten die Excel-Datei des Nilmodells unter www.meudalismus.dr-wo.de/nil.xls 4 Raeithel, Gert , Geschichte der nordamerikanischen Kultur, Band 3, Weinheim 1989, S. 5 ff. 5 Krugman, Paul, Nach Bush, Frankfurt am Main 2008, S. 45 ff. 6 Deutsche Bundesbank, Monatsbericht März 2002, S. 21 = www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/2002/200203mba_dm_bargeld.pdf 7 Erhard, Ludwig, Wohlstand für Alle, Düsseldorf, Wien 1957, S. 7 = www.ludwig-erhard-stiftung.de/pdf/wohlstand_fuer_alle.pdf 8 Manager-magazin Spezial 2008, S. 18 9 Zu dieser Feststellung muss man gelangen, wenn man die Einkommensentwicklung (etwa anhand der Einkommensteuerstatistiken) über die Jahrzehnte hinweg untersucht. Dazu: Wozniewski, Harald, Wie der Nil in der Wüste, Norderstedt 2007, S. 63 ff. 10 Deutsche Bundesbank und eigene Berechnungen, Tabelle 4 in www.kiwifo.de/geldmengenwachstum.xls 11 Deutsche Bundesbank, Geld und Geldpolitik (Fassung 2007), Die Banken als Geldproduzenten, S. 59 ff. 12 Deutsche Bundesbank, www.bundesbank.de/gm/gm_mindestreserven.php 13 Die Diagramme und Berechnungen erhalten Sie mit der Excel-Datei www.meudalismus.dr-wo.de/nilplusgeldmengenwachstum.xls 14 www.kiwifo.de/geldmengenwachstum.xls 15 Siehe die Liste mit den Vermögen und Stundenlöhnen der reichsten Deutschen unter www.meudalismus.dr-wo.de/html/stundenloehne.htm 16 Z.B. de.reuters.com/article/topNews/idDEHUM13256520080921 17 Wozniewski, Harald, 40 Jahre Nilpolitik, 2003, www.meudalismus.dr-wo.de/html/nilpolitik.htm 18 Siehe auch Wozniewski, Harald, Das Ende des „Nils in der Wüste“ und die Kondratieff-Zyklen, 2007, www.meudalismus.dr-wo.de/html/kondratieff.htm
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